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Bohrer erkennen: So unterscheidest du Holz-, Metall- und Steinbohrer auf einen Blick

Bohrer erkennen: So unterscheidest du Holz-, Metall- und Steinbohrer auf einen Blick

Wer kennt das nicht? Man kauft ein hochwertiges Bohrer-Set, nutzt die Bohrer nach und nach – und irgendwann landen sie alle in einer großen Kiste durcheinander. Im entscheidenden Moment fragt man sich dann: Welcher Bohrer war eigentlich für Holz, welcher für Metall, welcher für Beton? Genau dieses Chaos haben wir in unserem Podcast „Verschraubt und zugedreht" thematisiert – mit einem einfachen, aber wirkungsvollen Profi-Trick, um Bohrer auf einen Blick zu unterscheiden.

Denn wer einen Steinbohrer fälschlich für Holz nutzt oder umgekehrt, riskiert nicht nur ausgefranste Löcher, sondern beschädigt sein Werkzeug oft dauerhaft. Dabei ist die Zuordnung eigentlich ganz einfach – wenn man weiß, worauf man achten muss.

Die Spitze verrät alles: Der Personalausweis jedes Bohrers

Statt Messschieber oder Lupe zur Hand zu nehmen, reicht ein einziger Blick – auf die Spitze. Wie Rudi im Podcast erläutert:

„Die Spitze ist in etwa so etwas wie der Personalausweis dieses Bohrers."

An der Spitzengeometrie erkennt man auf Anhieb, für welches Material der Bohrer konstruiert wurde. Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen drei Hauptwerkstoffen und den dazugehörigen Bohrertypen: Holz, Metall und Stein/Beton. Jeder dieser Werkstoffe verlangt eine andere Schneidgeometrie – und genau die verrät der Blick auf die Bohrerspitze.

Holzbohrer erkennen: Die Zentrierspitze macht den Unterschied

Der klassische Holzbohrer besitzt vorne einen unverwechselbaren kleinen Dorn – meist drei- oder vierkantig geschliffen. Diese sogenannte Zentrierspitze ist das eindeutige Erkennungszeichen. Links und rechts davon sitzen zwei scharfe Schneiden, die die Holzfasern sauber durchtrennen.

Der Grund für diese Bauweise: Holz ist ein Faserwerkstoff. Ohne Zentrierspitze würde der Bohrer beim Ansetzen sofort „verlaufen" – also seitlich wegwandern. Da die meisten Holzbohrungen mit der Handbohrmaschine oder dem Akkuschrauber ausgeführt werden, ohne dass man wie in Stahl vorkörnen kann, fixiert die Spitze den Bohrer punktgenau an der gewünschten Stelle.

Achtung: Holzbohrer sind an den Schneiden extrem scharf geschliffen. Nicht mit dem Finger über die Spitze fahren – Verletzungsgefahr. Für Bohrungen von 4 bis 12 mm reicht ein Standardsatz. Größere Durchmesser sind Sache der Spezialbohrer (dazu gleich mehr).

Metallbohrer erkennen: Flache Spitze, präzise Schneiden

Beim Metallbohrer fehlt die Zentrierspitze. Zu 95 % besitzen HSS-Spiralbohrer stattdessen eine klassische 130°-Spitze – eher flach, mit zwei scharf geschliffenen Hauptschneiden vorne. Der Bohrer trägt bei jeder Umdrehung Späne ab und schneidet sich präzise in den Stahl.

Damit der Bohrer nicht verläuft, wird das Werkstück in der Regel vorher angekörnt – also eine kleine Vertiefung mit einem Körner eingeschlagen. Metallbohrer sind zylindrisch, silbrig-glänzend (bei blanken HSS) oder golden (bei titannitrierten Varianten). Wer tiefer in die Materialkunde einsteigen möchte – von HSS-R über HSS-G bis Co5/Co8 – findet in unserer Podcast-Folge zu Bohrmaterialien eine umfassende Vertiefung.

Steinbohrer erkennen: Stumpfe Hartmetallspitze

Der Steinbohrer unterscheidet sich sofort von allen anderen: Seine Spitze ist deutlich breiter und stumpfer. Meist sitzt vorne eine Hartmetallplatte, quer verlaufend oder als ausgeprägte Hartmetallspitze. Fährt man mit dem Finger über die Spitze, spürt man: hier ist nichts scharf – anders als bei Holz- oder Metallbohrern.

Der Grund liegt in der völlig anderen Arbeitsweise. Rudi bringt es im Podcast auf den Punkt:

„Hammerbohrer sagt der Name schon aus – er ist wie ein Hammer, der aufs Material schlägt, wie ein Meißel. Das zertrümmert das Material, und die Drehbewegung dient dann nur dazu, dass das Bohrmehl wegkommt."

Der Bohrer zerschlägt das Gestein also mechanisch, während die Wendel die Späne abtransportiert. Deshalb muss die Spitze nicht scharf sein – im Gegenteil, sie soll robust genug sein, um tausende Schläge auszuhalten.

Spezialbohrer für Holz: Forstner- und Lewis-Bohrer

Über die Standardbohrer hinaus gibt es im Holzbereich zwei besondere Bohrer, die nach ihren Erfindern benannt sind:

  • Forstner-Bohrer: Ein topfähnlich geformter Bohrer für große, flache Bohrungen bis 60 mm Durchmesser. Er hat zwei Querschneiden und arbeitet fast wie eine Fräse. Klassischer Einsatzbereich: Topfbohrungen für Möbelscharniere, Türen, Küchen. Laut Rudi ist der Forstner-Bohrer „der am meisten gesuchte Bohrer überhaupt".
  • Lewis-Bohrer (Schlangenbohrer): Sofort erkennbar an seiner auffälligen schlangenförmigen Wendel ohne Mittelsteg. Vorne besitzt er eine markante Schraubspitze, die den Bohrer förmlich ins Holz zieht. Einsatzgebiet: Zimmerei, Dachstuhl, Blockhaus – überall dort, wo tiefe Löcher in dicke Balken müssen. Vorsicht: sehr hohes Drehmoment, unbedingt mit Zusatzgriff arbeiten.

Beide Bohrer findest du in unserer Kategorie Spezialbohrer.

Spezialbohrer für Stein: Zwei- oder Vierschneider?

Wer regelmäßig Löcher in Mauerwerk oder Beton bohrt, sollte den Unterschied zwischen Zwei- und Vierschneider kennen. Eine ausführliche Vertiefung inklusive SDS-Systematik findest du in unserem Blogartikel zum Thema SDS-Bohrer – hier ist die Kurzfassung:

  • Zweischneider: Der schnellere Bohrer. Perfekt für Vollsteine, Ziegel, Betonsteine – solange keine Armierung im Weg ist. In hartem Beton bohrt er fast doppelt so schnell wie ein Vierschneider. Bei weichen Steinen wie Hochlochziegeln bitte ohne Schlag arbeiten, nur drehbohrend.
  • Vierschneider: Etwas langsamer, dafür präziser. Erzeugt runde, glatte Bohrlöcher und ist die richtige Wahl, sobald Armierungseisen im Beton verbaut ist. Für Profis das Mittel der Wahl.
  • Voll-Hartmetall-Bohrer: Hier besteht der komplette Bohrkopf aus Hartmetall statt aus eingelöteten Platten. Teurer, aber hitzebeständig – perfekt, wenn regelmäßig durch Armierung gebohrt wird. Für professionelle Dauereinsätze eine Investition, die sich rechnet.

Wer noch nicht sicher ist, welchen Dübel er anschließend braucht, findet in unserem Ratgeber Welche Dübel für welche Wand? die passende Antwort.

Spezialbohrer für Metall: Stufen- und Blechschälbohrer

Für dünnwandige Metalle gibt es zwei Spezialisten, die den klassischen Metallbohrer-Sätzen an die Seite gestellt werden können:

  • Stufenbohrer: Sofort an seiner Tannenbaumform erkennbar. Der Bohrer beginnt mit einem kleinen Durchmesser (z. B. 5 mm) und wächst stufenweise auf bis zu 25 oder 28 mm an. Ideal für dünne Bleche, weil man exakt sieht, an welcher Stufe man landet. „Ein Universal-Tool", so Rudi im Podcast – zwar mit stolzem Preis, aber vielseitig und langlebig.
  • Blechschälbohrer: Die günstigere Variante. Konisch zulaufend, ohne Stufen. Funktioniert für dünnwandige Materialien, erfordert aber mehr Fingerspitzengefühl bei der Bohrtiefe.

Der Universalbohrer: Alleskönner für den Werkzeugkoffer

Immer wieder wird die Frage nach dem „einen Bohrer für alles" gestellt – das Schweizer Taschenmesser unter den Bohrern. Rudi bringt es im Podcast humorvoll auf den Punkt:

„Der Universalbohrer ist wie eine Ente – kann alles: fliegen, laufen, schwimmen, tauchen. Nichts aber besonders gut. Er ist weder ein Sprinter noch ein Dauerläufer, also er ist der Generalist unter den Bohrern."

Ein typisches Beispiel ist der Almat-Bohrer von Heller – ein Universalbohrer, der Holz, dünnwandiges Metall (bis ca. 2 mm), Kunststoff und Mauerwerk in einem Arbeitsgang bewältigt. Ideal für die klassische Durchsteckmontage: Man bohrt durch die Holzlatte hindurch und geht dann drehbohrend ins Mauerwerk dahinter – ohne Werkzeugwechsel.

Wichtig zu verstehen: Der Universalbohrer ist eine Kompromisslösung. Er ist scharf geschliffen (anders als ein reiner Steinbohrer), hat aber keine Zentrierspitze wie ein Holzbohrer. Für Serienbohrungen im Stahlbau oder für 50 Dübellöcher am Stück ist er nicht die richtige Wahl – für den Handwerkerkoffer im Innenausbau, Ladenbau oder Kulissenbau ist er dagegen ein echter Alleskönner.

Der Fräsbohrer: Retter in der Not

Ein oft unterschätztes Werkzeug ist der Fräsbohrer. Er sieht aus wie ein Metallbohrer, hat aber seitliche Raspelzähne, die auch quer schneiden können. Rudi über sein Lieblingswerkzeug:

„Das ist der Bohrer, um etwas zu retten. Ich habe ein Loch, es passt nicht ganz – ich kann seitlich verfahren und daraus ein Langloch machen."

In Holz, Kunststoff und dünnwandigem Metall funktioniert das hervorragend. In der titannitrierten (goldenen) Variante hält der Fräsbohrer auch bei intensiver Nutzung lange. Für jeden, der bei Bauprojekten schon mal ein Bohrloch „zurechtretten" musste, ein Muss in der Werkzeugkiste.

Praxis-Empfehlung: Lieber wenige gute als viele billige Bohrer

Ein Punkt, den Rudi immer wieder betont: Bei Bohrern lohnt sich Qualität. Ein hochwertiger Bohrersatz aus deutscher Produktion hält bei sorgfältiger Anwendung Jahrzehnte. Wer regelmäßig arbeitet, sollte auf einen Fachhandelsbohrer setzen – runtergerechnet auf die Nutzungsdauer ist er günstiger als zehn Baumarkt-Sätze. Für den Standardbedarf reichen Sätze von 1–10 mm (Metall) oder 4–12 mm (Holz) völlig aus. Größere oder spezielle Durchmesser kauft man gezielt fürs jeweilige Projekt.

Wer Holzschrauben vor der Montage sauber vorbohren möchte, findet in unserem Ratgeber Holzschrauben vorbohren eine praktische Tabelle mit den passenden Bohrerdurchmessern.

FAQ – häufige Fragen zum Thema Bohrer erkennen

Woran erkenne ich einen Holzbohrer?

Ein Holzbohrer besitzt vorne eine deutlich sichtbare Zentrierspitze in Form eines kleinen drei- oder vierkantigen Dorns. Links und rechts davon sitzen zwei scharfe Schneiden. Diese Spitze verhindert, dass der Bohrer beim Ansetzen verläuft, und sorgt für präzise Bohrlöcher auch ohne Vorkörnen.

Was ist der Unterschied zwischen Steinbohrer und Metallbohrer?

Ein Steinbohrer hat eine stumpfe, breite Hartmetallspitze und zerschlägt das Gestein durch Hammerbewegung. Ein Metallbohrer besitzt eine flache 130°-Spitze mit scharf geschliffenen Schneiden, die den Stahl präzise zerspanen. Fährt man mit dem Finger über die Schneiden, spürt man den Unterschied sofort.

Wann verwendet man einen Vierschneider statt eines Zweischneiders?

Ein Vierschneider empfiehlt sich immer dann, wenn Armierungseisen im Beton verbaut ist oder besonders präzise, runde Bohrlöcher gefordert sind. Der Zweischneider ist die schnellere Wahl für Vollsteine, Ziegel und Beton ohne Armierung. Für Profis mit hohem Bohraufkommen sind Voll-Hartmetall-Vierschneider die langlebigste Option.

Was ist ein Universalbohrer und wofür eignet er sich?

Ein Universalbohrer wie der Almat-Bohrer bohrt Holz, dünnwandiges Metall, Kunststoff und Mauerwerk in einem Arbeitsgang. Er eignet sich ideal für die Durchsteckmontage im Innenausbau, Ladenbau oder Zuhause. Für Serienbohrungen in dickem Stahl oder harten Beton ist er jedoch nicht die richtige Wahl.

Kann ich mit einem Holzbohrer auch in Metall bohren?

Nein, das sollte man vermeiden. Die scharfe Zentrierspitze eines Holzbohrers ist für Metall ungeeignet – sie stumpft sofort ab oder bricht. Umgekehrt wird ein Metallbohrer in Holz nicht sauber ansetzen und leicht verlaufen. Für gelegentliche Materialwechsel eignet sich ein Universalbohrer oder ein Bohrer mit spezieller Mehrmaterialspitze.

Fazit

Bohrer auf einen Blick zu erkennen ist einfacher, als viele denken: Zentrierspitze mit Dorn = Holz. Flache, scharfe 130°-Spitze = Metall. Stumpfe Hartmetallspitze = Stein oder Beton. Wer diese drei Grundtypen sicher unterscheiden kann, hat 90 % der Alltagssituationen abgedeckt.

Für spezielle Anwendungen – Forstner- oder Lewis-Bohrer im Holzbau, Vierschneider mit Voll-Hartmetall im Stahlbeton, Stufenbohrer im Blech – lohnt sich der gezielte Kauf. Und für den flexiblen Einsatz im Haushalt oder Innenausbau ist der Universalbohrer ein Alleskönner mit klaren Grenzen. Das komplette Sortiment an Bohrern und Gewindeschneidern findest du bei FRANTOS – vom Standardbohrer bis zum Spezialisten für dein Bauvorhaben.

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Rudolf Voggenreiter