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Werkzeugstahl

Werkzeugstahl: Eigenschaften, Arten und Anwendungen

Werkzeugstahl ist ein spezieller unlegierter oder legierter Stahl, der gezielt für die Herstellung von Schneid-, Umform-, Stanz- und Formwerkzeugen entwickelt wurde. Er zeichnet sich durch hohe Härte, Verschleißfestigkeit, Warmfestigkeit und – je nach Typ – ausreichende Zähigkeit aus. Werkzeugstahl ist damit eine zentrale Werkstoffgruppe im Werkzeug-, Formen- und Maschinenbau.

Wichtig: Werkzeugstahl ist kein Standardwerkstoff für Verbindungselemente wie Schrauben, Bolzen oder Stifte. Solche Bauteile werden in der Regel aus Vergütungsstählen gefertigt, da diese ein besseres Verhältnis aus Festigkeit, Zähigkeit und Sicherheit bieten.

Werkzeugstahl – Zusammensetzung und Legierungselemente

Werkzeugstähle enthalten – abhängig vom Einsatzzweck – unterschiedliche Legierungselemente, die gezielt bestimmte Eigenschaften beeinflussen:

Legierungselement Wirkung
Kohlenstoff (C) Erhöht Härte und Verschleißfestigkeit
Chrom (Cr) Verbessert Härtbarkeit und Verschleißfestigkeit (nicht rostfrei)
Vanadium (V) Feinkornbildung, hohe Schneidkantenstabilität
Molybdän (Mo) Erhöht Warmfestigkeit und Anlassbeständigkeit
Wolfram (W) Sehr hohe Warmhärte, typisch für HSS

Hinweis: Trotz Chromgehalt sind Werkzeugstähle nicht korrosionsbeständig im Sinne rostfreier Stähle. Sie müssen bei Bedarf beschichtet, geölt oder anderweitig geschützt werden.

Arten von Werkzeugstahl

Die Einteilung erfolgt üblicherweise nach der Arbeitstemperatur:

Kaltarbeitsstahl

Für Anwendungen bei Temperaturen unter ca. 200 °C.

  • Einsatz: Schneiden, Stanzen, Kaltumformen
  • Eigenschaften: sehr hohe Härte und Verschleißfestigkeit
  • Typische Werkstoffe: 1.2379 (X153CrMoV12), 1.2842 (90MnCrV8)

Warmarbeitsstahl

Für Werkzeuge mit zyklischer thermischer Belastung über 200 °C.

  • Einsatz: Schmiede-, Druckguss- und Extrusionswerkzeuge
  • Eigenschaften: hohe Warmfestigkeit, Anlassbeständigkeit
  • Typische Werkstoffe: 1.2343 (X38CrMoV5-1), 1.2367

Schnellarbeitsstahl (HSS – High Speed Steel)

Für spanende Werkzeuge mit sehr hohen Schnittgeschwindigkeiten.

Herstellung und Wärmebehandlung

Die Gebrauchseigenschaften von Werkzeugstahl entstehen erst durch eine exakt abgestimmte Wärmebehandlung:

  • Härten: Erzeugung hoher Härte durch martensitische Umwandlung
  • Anlassen: Einstellung von Zähigkeit und Spannungsabbau
  • Umschmelzverfahren (z. B. ESU, PM): homogene, feinkörnige Gefüge
  • Oberflächenbehandlung: Nitrieren, PVD-Beschichtungen (z. B. TiN) zur Verschleißreduktion

Typische Anwendungen von Werkzeugstahl

Werkzeugstahl wird überall dort eingesetzt, wo hohe Präzision, Härte und Verschleißfestigkeit erforderlich sind:

  • Schneidwerkzeuge: Bohrer, Fräser, Messer
  • Stanz- und Umformwerkzeuge
  • Formeinsätze im Spritzguss- und Druckgussbereich
  • Mess- und Prüflehren

Abgrenzung: Verbindungselemente wie Schrauben, Bolzen oder Stifte bestehen in der Regel aus Vergütungsstählen (z. B. 42CrMo4) – nicht aus klassischem Werkzeugstahl.

Typische Eigenschaften (abhängig vom Werkzeugstahltyp)

Eigenschaft Einordnung
Härte typisch 58–65 HRC, abhängig von Werkstoff und Wärmebehandlung
Verschleißfestigkeit sehr hoch, insbesondere bei Kaltarbeits- und HSS-Stählen
Zähigkeit begrenzt, abhängig vom Legierungsgrad
Warmhärte hoch bei Warmarbeitsstahl und HSS
Korrosionsbeständigkeit nicht gegeben, zusätzlicher Schutz erforderlich

Beispiel: Werkzeugstahl 1.2379 (X153CrMoV12)

Ein hochlegierter Kaltarbeitsstahl mit sehr hoher Verschleißfestigkeit.

  • Typische Härte: bis ca. 60–62 HRC
  • Sehr gute Schneidkantenstabilität
  • Einsatz: Stanzwerkzeuge, Messer, Schneidplatten

Werkzeugstahl einfach erklärt

Werkzeugstahl ist ein speziell entwickelter Stahl für hochbelastete Werkzeuge. Durch Legierung und gezielte Wärmebehandlung erreicht er Eigenschaften, die normale Baustähle oder Vergütungsstähle nicht bieten. Er ist unverzichtbar für präzise Schneid-, Umform- und Formwerkzeuge – jedoch nicht für klassische Verbindungselemente.